Motivation

Willkommen bei Hina & Paul!

Unser Verein besteht aus einer Gruppe von TherapeutInnen, TrainerInnen, LehrerInnen,
ErzieherInnen, KinderpflegerInnen, JuristInnen und BeamtInnen im Strafvollzug. Wir setzen unsere
Herzen und unsere Fähigkeiten für Prävention und Aufarbeitung von (sexueller) Gewalt in der
Kindheit ein.

Warum Hina & Paul?

Gewalt und sexuelle Gewalt sind zweifellos Teil unserer Gesellschaft und mich beschäftigt das Thema beruflich schon lange. Als Verein wollen wir in der Breite wirken.

Hina ist der Name einer Gottheit in der polynesischen Kultur und steht für eine starke weibliche, mütterliche Kraft. Hina kann auch als Mondfrau gedeutet werden. Die Liebe einer Mutter vermag alles Menschenmögliche. Mutterliebe empfinden kann auch jemand, der kein Kind geboren hat. Diese Liebe in ihrer Bedingungslosigkeit fließt in unseren Verein hinein. Beschützend, einfühlsam, unterstützend, tragend, achtsam, Dich sehend und nicht verurteilend. Dafür steht Hina.

Paul ist ein Schlüsselmoment. Während des ersten Lockdowns kam der Junge bei einer Missbrauchstat ums Leben, bevor das Jugendamt eingriff. Der kleine Paul ist kein Einzelfall, sondern steht für all die Kinder, die in unserer Mitte leben, leiden und auch sterben. All die Kinder, die nicht gehört werden und die alleine sind. All die Kinder, deren Schicksalen keine öffentliche Empörung, sondern nur Resignation folgt. Pauls Geschichte wurde mir von Beteiligten erzählt und sie gab mir den Willen, etwas verändern zu wollen und diesen Verein zu gründen. Dafür steht Paul.

Bevor man ein Problem angehen kann, muss man es verstehen

Gewalt beginnt im Kleinen, etwa im alltäglichen Umgang miteinander. Gewalt gegen Kinder ist nicht immer körperliche, laute Gewalt. Armut und Verwahrlosung sind ebenso Formen der Gewalt. Emotionaler Missbrauch, physische und psychische Vernachlässigung, Drohen und Anschreien, Schlagen, Treten und Verletzen sind die ganze Bandbreite von Gewalt. Ursächlich auf der Täterseite sind nicht unbedingt Bosheit oder Veranlagung, sondern können auch psychische Erkrankungen der Betreuungspersonen oder schlichtweg deren Überforderung im Alltag sein. Gewalt in Form von sexuellem Missbrauch in allen Facetten ist keine Ausnahme und auch kein Phänomen der Moderne.

Die Beschäftigung mit Kindesmisshandlung und sexualisierter Gewalt gegen Kinder begann im 19. Jahrhundert in Frankreich. Ambroise Tardieu (1818-1879), ein anerkannter Rechtsmediziner, belegte, dass in Frankreich zwischen den Jahren 1858 und 1869 11.576 Menschen wegen Vergewaltigung oder versuchter Vergewaltigung angeklagt worden waren. Davon handelte es sich bei 9125 Fällen um Delikte an Kindern, fast immer Mädchen. Sexuelle Gewalt und Gewalt an sich kann man damals und heute als die größte Volkskrankheit bezeichnen.

Der Neurologe Jean-Martin Charcot (1825-1893) beschrieb bereits 1889, dass Anfälle dissoziative Zustände darstellen, also das Ergebnis erlebter unerträglicher Erlebnisse sind. Charcot erklärte, wie traumatische Erfahrungen als abgespaltene Anteile der Persönlichkeit im Unterbewusstsein überdauern, sich dem Bewusstsein über lange Jahre entziehen und zu Auslösern für spätere Erkrankungen werden können. Seine heute wieder sehr aktuellen Theorien setzten sich nicht durch. Es kam stattdessen zu einer Umwertung der Aussagen von Frauen, die über sexuellen Missbrauch berichteten. Deren Aussagen wurden als Auswüchse einer „Pseudologia phantastica auf hysterisch- degenerativer Grundlage“, also einer kindlichen Lügensucht, oder von„genitalen Halluzinationen“ interpretiert.

Die Situation heute

Wie gehen wir heute mit Aussagen von Missbrauchsopfern um? Kinder erleben Missbrauch und Gewalt. Jeden Tag. Statistiken zeigen, dass in jeder Schulklasse durchschnittlich 1-2 Kinder sitzen, die sexuellen Missbrauch erfahren. Sie zeigen auch, dass selbst, wenn ein Kind den Mut aufbringt, um Hilfe zu bitten, es das mehrfach tun muss, ehe jemand zuhört und glaubt. Zu oft wird weggeschaut und kleingeredet. Es mangelt an Zutrauen, Wissen, Geduld und Handlungsfähigkeit in einschlägigen Berufen, etwa bei LehrerInnen, ErzieherInnen, SozialpädagogInnen, MitarbeiterInnen von Jugendamt und anderen öffentlichen Stellen. Sich auf traumatisierte Menschen einzulassen und sie verlässlich zu begleiten, setzt Zuversicht und Professionalität voraus. Wenn furchtsame Gedanken, wie „Das kann ich nicht.“, „Das soll ich auch noch leisten?“ oder „Das verkrafte ich nicht.“, bei Ansprechpersonen im Sozial – und Gesundheitswesen vorherrschen, werden traumatisierte Menschen auf der Suche nach Unterstützung entmutigt, abgewiesen, entwertet.

Selbst, wenn nicht ein Elternteil direkt für Gewalt und Missbrauch verantwortlich ist, können Eltern gleichgültig gegenüber Missbrauch reagieren. Sie fallen als Anlaufstelle für die eigenen Kinder aus. Resignation kann in der eigenen Geschichte oder psychischen Verfasstheit begründet sein. Vernachlässigung und feindselig-entwertende Behandlung des Kindes sind wiederum Formen psychischer Gewalt, die sich destruktiv auf die Entwicklung der Bindungsfähigkeit wie des Selbstwertgefühls auswirken.

Die Folgen von (sexueller) Gewalt an Kindern

Die Degradierung des Kindes zum Objekt der Bedürfnisbefriedigung Erwachsener bei Misshandlung und sexueller Gewalt bedeutet eine extreme Entwertung und Entmenschlichung. Sie bewirkt in Verbindung mit vielen Beschämungen eine tiefe Verunsicherung. Fehlende Selbstachtung bis Selbsthass sowie oft die Überzeugung, keinerlei eigene Rechte zu haben, sind die Folgen. Viele dieser Kinder sind nicht fähig, einen Schulabschluss oder eine Ausbildung zu machen. Sie werden Abhängige eines Sozialsystems, das zunehmend überlastet ist. Auch als Erwachsene können sie oft keine Verantwortung für sich und ihr soziales Tun übernehmen. Schon die Fürsorge für die eigene körperliche Gesundheit kann überfordern.

Gewalt und Missbrauch sind traumatische Erlebnisse, also Erlebnisse, die ein Kind oder ein Mensch nicht mehr alleine verarbeiten kann, und können zu einer Spaltung zwischen Geist und Körper führen. Der Begriff Trauma leitet sich dabei vom griechischen Wort für Wunde ab und bezeichnet seelische Verletzungen durch Ausnahmesituationen. Ein Tier in einer hochtraumatischen Situation würde tot umfallen. Ein Mensch dagegen entwickelt die Möglichkeit, sich von den (Körper-)Gefühlen abzuspalten, um eine unerträgliche Situation zu ertragen. Dabei wird zwischen einem einmaligen Trauma, wie z.B. bei einem Unfall oder einer Naturkatastrophe, und einem mehrfachen, wiederkehrenden Trauma bzw. Entwicklungstrauma, wie eine belastete Kindheit, unterschieden. Neben Gewalt können auch Krankheit, Krieg, Verlust- und Vernachlässigungserfahrungen oder Mobbing traumatische Erlebnisse darstellen. Psychische Störungen in jeder Ausprägung und Suizidgedanken sind die Folge.

Eine Gemeinschaft ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Unsere Gesellschaft übersieht traumatisierte Kinder und Menschen, Schwache und Kranke. Auch die Personen, die Gewalt ausüben, wurden teils bereits übersehen. Manche Menschen haben Glück und haben eine stabile Person an ihrer Seite, die ihnen den Übergang in ein gesundes Leben ermöglicht. Andere verfügen selbst über ein hohes Maß an Resilienz. Viele fallen aber durch das Raster, erst durch mangelnde Prävention und später durch fehlende Therapiemöglichkeiten. Viele enden auf der Straße, im Gefängnis, im Grab. Dies alles führt zu einer Destabilisierung des Einzelnen und des gesellschaftlichen Systems gleichermaßen.

Unser Ansatz

Wir haben uns die Frage gestellt, was zu tun ist. Es gibt so viele Kinder, die in einer gewalttätigen, belasteten Umgebung aufwachsen. Kinder, die Unaussprechliches erfahren, und Kinder, die einfach ignoriert werden. Sie alle wachsen ohne Geburtstagskuchen auf. Ohne neuen Schulranzen und Geschenke am ersten Schultag. Ohne ein tägliches Pausenbrot. Ohne „Ich hab dich lieb!“ oder „Schön, dass es Dich gibt.“.

Uns ist es wichtig, unsere Aufmerksamkeit auf diese Menschen, Kinder wie Erwachsene, zu richten, die niemals eine Chance hatten. Ihnen wollen wir die Hände reichen. Wir setzen breit an und arbeiten deshalb mit verschiedensten Mitteln.

Das Herzstück sind unsere Präventionsworkshops für Kinder. Und zwar nicht nur für die Kinder, deren Eltern Selbstbehauptungs- oder Anti-Mobbing-Kurse wertschätzen und selbst finanzieren können, wie es an vielen Grundschulen üblich ist. Es ist unwahrscheinlich, dass Eltern und Betreuungspersonen, die selbst Gewalt ausüben, eine solche Maßnahme aktiv suchen. Unsere Workshops sollen dagegen allen Kindern zugänglich sein, optimalerweise einmal im Jahr. Um gerade die Kinder zu erreichen, die häusliche Gewalt erfahren und Hilfe brauchen, bieten wir Schulen bzw. deren Fördervereinen unsere Workshops in der Klassengemeinschaft kostenlos an, wobei wir uns über Spenden natürlich freuen.

Mit den Kindern wird u.a. erarbeitet, welche Rechte Kinder haben, was ein persönlicher Schutzraum ist, wie man Nein sagt (auch und gerade zu Erwachsenen), was gute und böse Geheimnisse sind, etc. Die Kinder werden gestärkt und erlangen Zugang zu ihren (kreativen) Ressourcen, etwa um Gefühle zu verbalisieren und zu verarbeiten.

Eltern werden über Gewalt und Missbrauch und den bestmöglichen Schutz ihrer Kinder umfassend informiert. Eine Enttabuisierung muss stattfinden.

Lehrer müssen auf die Sprache, die ein Kind entwickelt, um auf sein Leid aufmerksam zu machen, sensibilisiert werden.

Ebenso muss die Vorgehensweise im Verdachtsfall geklärt werden. Darüber hinaus wird der Verein traumatisierte Kinder und deren Familien vielfältig unterstützen, etwa durch Nachhilfeunterricht und Kinderbetreuung, Vermittlung von Sprachkursen, Kinderpflegeschulung, Hilfe bei Antragstellungen, Beratung zur weiteren Therapie, o.ä. Aber auch das Organisieren eines sorglosen Nachmittags oder eines Kurzurlaubs für entkräftete Familien sind möglich.

Ein wichtiger Bestandteil unseres Angebots sind Traumayoga- und Sportstunden, mit denen wir den Gedanken „Der Ausweg aus allem Leid, ist der Weg nach innen.“ weitertragen. Ebenso wie eine körperliche Verletzung braucht auch ein psychisches Trauma Zeit, um zu heilen. Traumayoga und Sport ermöglichen es, wieder den eigenen Körper zu spüren. Man wird sich selbst wieder bewusst und ersetzt Ohnmacht durch innere Stärke. Traumasensibles Yoga ist dabei ein Yoga ohne Leistung oder Anstrengung. Grenzen werden in einer sicheren Umgebung definiert statt übergangen.

Was wir anbieten:

Traumafachberatung, Traumatherapie
Traumafachberatung und Traumatherapie unterstützen die Verarbeitung traumatischer Ereignisse, indem sie u.a. fokussieren auf: Ressourcenorientierung, Stressreduktion, Fördern von Alltagsstabilität sowie innerer und äußerer Sicherheit, Erlernen von Selbstmanagement und Selbstfürsorge, Techniken zum Dissoziations- und Flashback-Stop, Erlernen eines liebevollen Umgangs mit dem Körper, Erlernen eines kontrollierten Umgangs mit einem traumatischen Erlebnis.

Traumayoga
Durch das Praktizieren eines wahrnehmungsorientierten und achtsamen Yoga wird der ventrale Vagusnerv angeregt, der Teil des autonomen Nervensystems, der Verbindung, Ruhe und soziale Interaktion ermöglicht.

Workshops in Schulen und öffentlichen Räumen
Kinder einer Schulklasse bzw. Gruppe erarbeiten an 9 Tagen (auf 3 Wochen verteilt) u.a. diese Themen: Grenzen spüren, Kinderrechte, Nein sagen, Unterschied von bösen und guten Geheimnissen, normaler Alltag, Wahrnehmungsübungen, Prävention von Mobbing, Kraft der Kreativität als Ressource, Gefühle thematisieren. Eltern werden über Missbrauch informiert. Lehrer werden sensibilisiert.

Sport- und Laufkurse

Schreibwerkstatt
Es gab eine Zeit, in der ich nicht gut reden konnte. In der ich nicht gut Blickkontakt halten konnte. Aber ich konnte schreiben. Ich konnte mich über das geschriebene Wort ausdrücken, ich konnte Blick halten, mit dem was andere nicht sehen konnten. Über das Schreiben habe ich viel über mich selbst gelernt. Es hat mich ausgemacht. In unserer Schreibwerkstatt möchten wir Jugendliche (z.B. anhand von Texten von Michael Ende) ermutigen, über das Schreiben Zugang zu ihrem Inneren zu finden.

Nachhilfe und Kinderbetreuung

Geld macht nicht glücklich, aber mit Geld kannst Du andere glücklich machen
Alle Kurse und Angebote sind kostenlos, wir freuen uns aber über eine Spende.